Insel & Schloss Litzlberg

Bereits im 14. Jh. erstmals erwähnt, war eine kleine Festung das Zentrum der Herrschaft Litzlberg. Im 18 Jh. verfiel das Schloss und wurde 1780 abgetragen.
Ein Teil des Abbruchmaterials wurde zum Wiederaufbau des abgebrannten Ortes Schörfling verwendet. Nun stand über 100 Jahre kein Gebäude auf der rund 6000 m² großen Insel.

1890 kam die Insel zur Brauerfamilie Hofmann. Drei Jahre später kaufte Baron Eduard von Springer aus Wien, die „nächst dem Mayrgute in Litzlberg gelegene Insel von Anton Hofmann um 5.000 fl. und baute auf derselben ein kleines Schlösschen“, wie es in der Chronik heißt. „In den Folgejahren vergrößerte derselbe die Insel mit einer durch mit Piloten gesicherte Steinumfriedung.“Baron Springer war Bankier (seine Mutter war eine geborene Rothschild) und der ständige Begleiter des Kaisers Maximilian in Mexiko. Der Junggeselle wollte auf der Insel ein romantisches Schloss bauen, um die Primadonna der Wiener Staatsoper Marie Renard (eigentlich Maria Pölzl * 1864 +1939) für sich zu gewinnen.

1896 ließ er sich vom Wiener Architekten Max Kaiser auf Resten des alten Schlosses ein neues, kleines Schlösschen im Stil des Historismus errichten: Neu-Litzlberg. Die Arbeiten führte die Bauunternehmung Franz Lösch durch. Mit dem Umbau ging der alte Charakter von Schloss und Insel völlig verloren, denn die neue Anlage bedeckte nur mehr einen Teil der Insel. Das alte Schloss nahm seinerzeit die ganze Inselfläche ein. Das neue Gebäude ist aber dem ursprünglichen Seeschloss nachempfunden. Weithin sichtbar ist der Turm, die Fachwerkvorblendung der Fassade erinnert an die englischen Landsitze.

Eduard v. Springer hat im Attersee viele Fischereirechte erworben und einen eigenen Fischmeister angestellt. Als das neue Gebäude teilweise bewohnbar wurde, fehlte es an Trinkwasser. Man begnügte sich vorerst mit filtriertem Seewasser bis Springer auf einen Bohrbrunnen auf einer Insel in der Adria aufmerksam wurde, wo man mitten im Meer Süßwasser erbohrte. So einen Brunnen ließ der Baron auch für seine Insel bauen. Es wurde durch den Seeboden gebohrt, und in 39 m Tiefe stieß man tatsächlich auf gutes Trinkwasser.

Erwin Böhler war der Erbe und Aktionär der Böhler-Werke in Waidhofen/Ybbs. Eher zufällig kam er auf diese Insel. 1917 ließ Böhler einen Steg bauen, zu Springers Zeiten konnte man die Insel nur über das Wasser erreichen.

Böhler, seine Frau Elfriede und seine Familie verbrachten viele Sommer in Litzlberg. Das Haus war voller Gäste, die aus allen Teilen Europas kamen und zum Teil für mehrere Wochen blieben. Aus dem Gästebuch entnimmt man, dass es kaum einen Tag ohne An- oder Abreise gegeben hatte. Besonders die Segler-Elite des UYCAs fand sich bei den Regatten zu den Festen auf der Insel ein. Auch der berühmte Maler Hans Böhler, ein Cousin Erwin Böhlers, Gründungsmitglied der Wiener Secession und Freund Gustav Klimts, war gerne in Litzlberg.

Nach dem 2. Weltkrieg kehrten viele Gäste nach Litzlberg zurück. Sänger und Solisten der Wiener Kulturszene waren gern gesehene Gäste auf der Insel. Das mondäne Kolorit der Zwischenkriegszeit war jedoch verschwunden. Nach dem Tod Erwin Böhlers 1950 war es für die Erben schwierig, den Besitz zu erhalten. Die Familie war nun auf die Einnahmen der zahlenden Gäste angewiesen. Aber die waren prominent, einer dieser Gäste war der Burgschauspieler Raoul Aslan, der im Juni 1958 auf der Insel unerwartet starb.

Von 1958 bis 1966 war die Bar Toplicht (am Ufer) ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt. Bis zum Tod von Elfriede Böhler 1972 blieb das Schloss voller Leben.

Danach konnten sich die fünf Erben nicht einigen und so wurde vom Bezirksgericht Vöcklabruck die „Feilbietung” angeordnet. Es meldeten sich zwar rund 30 Interessenten, aber kein Kaufinteresent, der das Schloss (um 10,3 Mio. S für die Insel und um 3,7 Mio. S für den rund 2000 m² großen Brückenkopf) ersteigert hätte. Nun kam eine Zeit der Schätzgutachten, des Feilschens und der Gerüchte (auch der UNO-Generalsekretär Dr. Waldheim war im Gespräch).

Ende Juli 1974 kaufte der Industrielle Karl Leitl die Insel, der aber plötzlich 1977 starb. Karl Leitl hatte 1945 das Ziegelwerk seines Vater übernommen, das er zu einem Wohnbau-Komplett-Anbieter ausbaute. Fertiggaragen und Tanksysteme ergänzten die Produktpalette.

Insel und Schloss sind in noch heute im Privatbesitz der Familie Leitl. Die Insel ist nicht öffentlich zugänglich.

Quelle: www.atterwiki.at

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